Lesung
Schwetzinger SWR Festspiele: Frauenbilder
Musikalisch und literarisch hinterfragen Pianistin Sophie Pacini und Schauspielerin Rebecca Immanuel Geschlechterrollen.
Im 19. Jahrhundert waren die Geschlechterrollen noch klar. Die Frau stand für Anbetung, Hoffnung, Hingabe, emotionale Vertiefung, feine Zwischentöne, aber auch Ohnmacht, Leiden und Verklärung, und ergänzte und vervollständigte mit diesen Eigenschaften auf ideale Weise den Gegenpol des Männlichen. Diese Sicht prägt auch die Kunst der Zeit. Sie ist in Musikstücken und Briefen der Trias Robert Schumann, Clara Schumann und Johannes Brahms zu erleben, ergänzt durch Texte und Klänge von Fanny Hensel, Abraham Mendelssohn, Cécile Chaminade und Heinrich Heine. Franz Liszt setzt den Schlusspunkt des literarisch-musikalischen Rückblicks: nicht nur mit zwei jener Nocturnes, die er unter dem Titel Consolations (Tröstungen) veröffentlichte, sondern auch mit seiner Klavierbearbeitung des Vorspiels zu Richard Wagners Tannhäuser. Der Titelheld dieser Oper ist hin- und hergerissen zwischen zwei Frauen, die gleichzeitig für zwei unterschiedliche weibliche Haltungen stehen: hier die sinnliche Venus, dort die tugendhaft-zurückhaltende Elisabeth. Tannhäuser stirbt daran, dass er sich zwischen beiden nicht entscheiden kann; hier runden die beiden Pole das Programm zu einem Universum der historischen Frauenbilder.
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Schwetzingen